Die Ermordung Petra Schelms am 15. Juli 1971

Petra Schelm
Petra Schelm

Heinz

Der keineswegs pazifistisch ausgerichtete Marxismus-Leninismus hat mit seiner materialistisch-dialektischen Methode aus den Klassenkämpfen der Neuzeit zwei entgegengesetzte Kriegstypen eruiert: Den ungerechten imperialistischen Eroberungskrieg, der das Ziel hat fremde Länder zu erobern und fremde Völker zu versklaven und den gerechten revolutionären Befreiungskrieg, der das Ziel hat, das Volk gegen einen äußeren imperialistischen Aggressor zu schützen und dessen Unterjochungsversuche zu verhindern oder das Ziel hat, das Volk gewaltsam aus der Lohnsklaverei zu führen, oder der das Ziel hat, Kolonien und abhängige Länder vom Joch der Imperialisten zu befreien.
Beim Krieg der Imperialisten untereinander erübrigt sich die Schuldfrage: Wer hat den Krieg angefangen? Sie sind alle schuldig, sie sind alle bis an die Zähne bewaffnete Räuber.
Anders verhält es sich im Komplex der gerechten Kriege. Der Fall Petra Schelm belegt, dass der imperialistische BRD-Staat mit dem Morden angefangen hat. Seine Bullen töteten zuerst! Petra Schelm, gebürtige Hamburgerin, war eine 21-jährige Friseurin, Tochter eines Handwerkers, eines Malers, die am 15. Juli 1971 im Zuge der damaligen Baader-Meinhof-Hetze-Fahndung in Hamburg ermordet wurde, auf der Flucht erschossen, wie es hieß. Ein Schüler, der zehn Meter vom Geschehen entfernt stand, sagte aus, dass der Polizist ohne Vorwarnung als Erster geschossen habe. Das blieb Schall und Rauch.
Am 15. Juli 1971 leitete die Polizei mit rund 3.000 Beamten in ganz Norddeutschland unter dem Decknamen „Kora“ die bislang größte Fahndungsaktion zur Ergreifung von Mitgliedern der „Baader-Meinhof-Gruppe“ ein. Auf die Frage eines Journalisten, warum der Beamte nicht versucht habe, Petra Schelm kampfunfähig zu schießen, antwortete der Hamburger Polizeisprecher: „Waren Sie eigentlich schon mal im Krieg?“
Wenn man heute in die google-Suchmaschine die Frage eingibt: „War Petra Schelm bewaffnet?“ so erhält man nur negative Suchergebnisse. Die 21-jährige ist also eiskalt mit einer Maschinenpistole von hinten unterhalb der linken Schulter ermordet worden, sie fiel nicht in einem heißen Schusswechsel. Der Fall wurde bis heute nicht geklärt, der Mörder blieb also frei.
Dass Polizisten ermordet, Widerstandskämpfer gegen das Blutsauger System aber nur erschossen werden, zeigt nicht nur an, dass die herrschenden Klassen sprach-manipulativ operieren, sondern dass in einem bürgerlichen Rechtsstaat mit zweierlei Maß gemessen wird. Daniela Klette hat also keine Chance vor Gericht. Der Prozess ist eine Farce. Dieser bürgerliche Staat mit seinen stets perfektionierten Terrorapparaten ist ein jederzeit mordbereites nationales Kriegswerkzeug des Kapitals gegen die Arbeit.
Zusatz:
Daniela Klette wird wegen unerlaubten Waffenbesitzes angeklagt. Das ist eine illegale Anklage. Karl Marx hat als ein Ergebnis der Pariser Commune festgehalten, dass der heutige Bourgeois sich für den rechtmäßigen Nachfolger des ehemaligen Feudalherrn ansieht, der jede Waffe, in seiner eignen Hand, für gerechtfertigt hielt gegenüber dem Plebejer, während irgendwelche Waffe in der Hand des Plebejers von vornherein ein Verbrechen ausmachte“. (Karl Marx, Der Bürgerkrieg in Frankreich, Werke, Band 17, Dietz Verlag Berlin, 1960,360). Der Kapitalist ist heute der Nachfolger von Ludwig dem XVI. Vor der französischen Revolution machten Adel und Klerus 1 % der Bevölkerung aus. Deren widerliche Köpfe rollten. Heute steht hier in Celle eine Frau vor Gericht, angeklagt von Juristen, die sich schützend vor dem 1 % der Reichsten der Reichen stellen und für die eine Waffe in der Hand einer Plebejerin ein Verbrechen ausmacht. Diese Staatsschutzjuristen sollten sich an das Schicksal von Ludwig dem XVI. und an das von Marie Antoinette erinnern.