Anti-Imperialist Front, veröffentlicht am 30.12.2025
Seit 2020 gibt es die neuen Hochsicherheitsgefängnisse in der Türkei. Offiziell heißen sie S,R,Y-Typ Gefängnisse. Die Gefangenen bezeichnen diese als „Gruben-Typ-Gefängnisse“. Weil es sich anfühlt, als wenn man in eine Grube reingeworfen und der Deckel über einen dicht gemacht wird. Es lässt sich wie folgt zusammenfassen: Keine Sonne, kein Luft(zirkulation), keine Menschen.
GRUBEN-TYP-GEFÄGNISSE
Der Ex-Gefangene von Grup Yorum Vedat Doğal, der in so einem Gruben-Typ-Gefängnis war und sich 178 Tage im unbefristeten Hungerstreik befand, äußert sich wie folgt dazu:
„Niemand sollte sich davor sicher fühlen, eines Tages in diesen Gefängnissen zu landen.
Die staatliche Repression setzt darauf an, im Grunde eines Brunnens, dahinvegetierend, uns in einen Stein verwandeln. Sie versuchen, einen in den Wahnsinn zu treiben, um den Verstand zu bringen.
Was wir auch von den CHP-Verhaftungen (systeminterne Oppositionspartei), wo die Gefangenen in den Brunnen gesteckt werden. Sie bringen die Leute hierher. Dann drängen sie die Gefangenen auf Kollaboration. Denn die Bedingungen sind hier nicht unerträglich.
Gleichzeitig werden die Brunnen-Typ-Gefägnisse zu einem Erpressungsinstrument.
Wir sind nicht in den Hungerstreik getreten, damit unsere Peiniger Gewissensbisse bekommen. Mit den Hungerstreiks appellieren wir an das Gewissen des Volkes“.
Vedat Doğan wurde freigelassen. Aber die Gefängnisse vom Typ Brunnen verfolgen ihn noch immer in seinen Träumen. Es wird von Seiten der revolutionären Gefangenen also aktiv Widerstand geleistet gegen die Gruben-Typ-Gefängnisse.
Die Forderungen sind ziemlich simpel: Die Verlegung von den Gruben-Typ Gefängnis in ein F-Typ Gefängnis.
Die F-Typ Gefängnisse sind ebenfalls Hochsicherheitsgefängnisse mit Isolationshaft. Aber nach dem Todesfasten-Widerstand zwischen 2000-2007, der 122 Menschen das Leben gekostet hat, wurde die Isolationshaft zwar nicht architektonisch, aber faktisch abgeschafft. Der Hof und die Zelle sind eine Einheit. Es liegt lediglich eine Tür dazwischen. Und diese steht den ganzen Tag offen. Man kann also rein- und rausgehen, wie einem beliebt.
Außerdem haben neun Gefangene das Recht, einmal in der Woche für 10 Stunden zusammenzukommen und sich auszutauschen. Auch die Besuchs- und Telefonerlaubnis ist etwas lockerer. Man kann auch von FreundInnen und GenossInnen besucht werden bzw. anrufen.
Bis dato verliefen alle unbefristeten Hungerstreiks und Todesfasten-Widerstände mit Erfolg.
Bis heute haben folgende Hungerstreik-Kämpfe stattgefunden:
- März 2020 – Şerif Turunç (52 Tage Hungerstreik)
- 1. Mai 2023 – Nedim Öztürk (138 Tage Hungerstreik)
- 2. Mai 2023 Cemil Kurt (129 Tage)
- 2. Mai 2023 Alisan Gül (129 Tage)
- 13. September 2023 – Hüseyin Karaoğlan (143 Tage Hungerstreik)
- 20. Oktober 2023 – Nurettin Kaya (273 Tage Hungerstreik)
- Sezgin Zengin (100 Tage Hungerstreik)
- 24. Februar 2024 – Oktay Kelebek und Cem Dursun (181 Tage Hungerstreik)
- 29. März 2024 – Rezzan Şengül (182 Tage Hungerstreik)
- 3. April 2024 – Vedat Doğan (177 Tage Hungerstreik)
- 17. April 2024 – Halil Yakut (100 Tage Hungerstreik)
- 21. August2024 – Mehmet Güvel (2 Tage Hungerstreik) (Mehmet Güvel ist 80 Jahre alt, Todesfasten-Veteran und krebskrank).
- 20. Oktober 2024 – Sercan Ahmet Arslan (243 Tage Hungerstreik)
- 10. November 2024 – Serkan Onur Yılmaz (375 Tage Hungerstreik; nach 212 Tagen Hungerstreik wurde er ins F-Typ-Gefägnis verlegt. Er hat dann für seine Genossen weiter gekämpft.)
- 13. November 2024 – Ferdi İşçi (72 Tage Hungerstreik),
- Mulla Zincir (176 Tage Hungerstreik)
- 19. Dezember 2024 Bakican Işık (180 Tage Hungerstreik)
- 2. Dezember 2024 – Ali Ülgü (62 Tage Hungerstreik)
- 1. Januar2025 – Yurdagül Gümüş (171 Tage Hungerstreik)
- 6. Januar2025 – Sadık Çelik (30 Tage Hungerstreik)
- 13. Februar2025 – Mithat Öztürk (191 Tage Hungerstreik)
- 18. Februar2025 – Ali Hasan Akgül (144 Tage Hungerstreik)
- 18. Februar2025 – Ali Aracı (199 Tage Hungerstreik)
- 29. Mai 2025- Ümit Cobanoglu (200 Tage)
- 30. März 2025- Fikret Akar (250 Tage Hungerstreik)
- Ayberk Demirdögenn (293 Tage Hungerstreik)
KRANKE GEFANGENE


Ein weiteres, großes Problem sind kranke Gefangene.
Wir bringen hier die Übersetzung von den Angehörigen besonders schwerwiegender Fälle:
Ufuk Keskin, Irfan Yilmaz, Hasan Karapinar.
Der Faschismus in der Türkei hat die Intention, kranke Gefangene zu ermorden, indem er sie nicht freilässt und ihre medizinische Behandlung verhindert und behindert.
Lerzan Caner, die eine Erklärung im Namen von TAYAD verlas, hob Folgendes hervor:
Ufuk Keskin ist der dringendste Fall unter den kranken Gefangenen. Er hat Typ-1-Diabetes und Zöliakie, deren Diäten gegensätzlich sind. Sein Gesicht und seine Augen schwellen wegen der Zöliakie an, es besteht Lebensgefahr, er muss sich mit glutenfreie Nahrung ernähren. Aber der Gefängnisarzt sagt: „Du isst, was im Gefängnis gekocht wird. Es gibt keine Sonderwünsche“. Wir werden Strafanzeige gegen die Gefängnisverwaltung und den Arzt erstatten. Wir werden nicht zulassen, dass unsere Angehörigen ermordet werden. Dies ist eine humanitäre Forderung und hat mit dem Recht auf Leben zu tun.
Ufuk Keskins Genosse Ali Dilmen befindet sich ebenfalls in einem unbefristeten Hungerstreik mit der Forderung, seine Diät umzusetzen. Es ist heute der 134. Tag seines unbefristeten Hungerstreiks.
Was der Gipfel der Bodenlosigkeit stellt wohl die Verhaftung von Irfan Yilmaz dar.
İrfan Yılmaz ist zu 92% behindert. Irfan Yılmaz hat das Serabella-Syndrom, er kann nicht gehen, er kann seine Hände nicht benutzen, er hat auch Schwierigkeiten zu sprechen. Irfan Yılmaz muss sofort freigelassen werden.
Es gab Gerüchte, dass kranke Gefangene nach dem neuen Strafgesetzbuch freigelassen werden sollen. Es sollte keine Diskriminierung zwischen kranken Gefangenen geben; sie sollten alle freigelassen werden.


KREBSKRANKER GEFANGENE HASAN KOYUPINAR
Es gibt auch kranke Gefangene mit Krebs. Einer von ihnen, Hasan Karapınar, der unter Hausarrest stand, er wurde unter Folter festgenommen und verhaftet, und seine Behandlung wurde nicht abgeschlossen. Er sollte sofort freigelassen werden und seine Behandlung in Freiheit unter angemessenen Bedingungen durchführen können.
Ein weiterer Gefangener İhsan Bulut befindet sich in der gleichen Situation wie Hasan Karapınar. Sie sollten unverzüglich in das Krankenhaus verlegt und entlassen werden, um ihre Behandlung außerhalb
abzuschließen.
Ufuk Keskin, İrfan Yılmaz, Hasan Karapınar und İhsan Bulut, die sich in der dringendsten Situation befinden, müssen ohne Bedingungen und ohne Diskriminierung sofort freigelassen werden.
Es wurde auch eine Erklärung vom TAYAD-Mitglied Fahrettin Keskin, dem Vater von Ufuk Keskins verlesen:
„Als sie ihn in das Gruben-Typ-Gefängnis steckten, trat einer seiner Freunde (Sercan Ahmet Arslan) in einen Hungerstreik, um Ufuk in ein anderes Gefängnis zu verlegen.
Die Forderungen wurde durchgesetzt. Aber nachdem diese Forderung akzeptiert wurde brachten sie Ufuk in das Kandıra F-Typ-Gefängnis Nr. 2.
Von dem Tag an, an dem er in das Kandıra F-Typ-Gefängnis Nr. 2 gebracht wurde, bis heute wird Ufuks Diät in keiner Weise umgesetzt.
Da gibt es eine Psychologin, die sagt: „Du wirst essen, was immer im Gefängnis verfügbar ist. Wir werden kein anderes Essen für dich zubereiten und ich werde mich nicht um dich kümmern, ich werde nicht zu kommen, um dir etwas zu geben…“
Daraufhin bat ich um ein Treffen mit dem Gefängnisdirektor. Aber vergeblich.
Der „Oberaufseher“, kam und sagte: „Wir bereiten für Ufuk Essen nach seiner Diät zu und geben es ihm“ Er lügt.
Ich möchte, dass alle kranken Gefangenen entlassen werden.“
Wie man also sieht, muss drinnen und draußen für die Rechte der Gefangenen gekämpft werden. Ohne unsere Solidarität sind sie der Gefängnisdirektion schutzlos ausgeliefert.
Wir möchten euch von zwei Kämpfen in der Türkei berichten:
SITZSTREIK IM KURTULUS-PARK IN ANKARA



Seit dem 1. September 2025, also seit fast 4 Monaten führen die TAYAD-Familien eine Sitzblockade in dem Kurtulus-Park in Ankara durch. Es ist ihr Ziel die Öffentlichkeit über Gruben-Typ-Gefängnisse und Hungerstreiks zu informieren. Jeden Tag wird eine Presseerklärung verlesen. Es wurden auch Ausstellungen und ähnliches veranstaltet.
Das Sit-In stößt auf großes Interesse und findet auf breite Unterstützung in der Bevölkerung. Trotz der ganzen Repressalien und Staatsterror.
Dieser Sitzstreik wird am 31. Dezember zum Jahresende beendet, weil es zur Unterstützung des Todesfastenwiderstandes durchgeführt wurde und sich niemand mehr im Todesfasten befindet.
Ähnlich verhält es sich auch mit einer Solidaritätsaktion in Izmir. In Izmir Sirinyer findet seit 50 Tagen eine Informationsaktions statt. Es wird täglich eine Presseerklärung abgegeben.
