Grußbotschaft zum 1. Mai 2025

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Internationales Sekretariat der Roten Hilfe International, 1. Mai 2025

Liebe Genossinnen und Genossen,
Liebe Freunde und Freundinnen,

Am 1. Mai, dem internationalen Kampftag, gehen Menschen weltweit auf die Straßen, für eine solidarische Gesellschaft und gegen die herrschenden Verhältnisse. Und schauen wir in die Welt, dann braucht es wenig Worte, um die gegenwärtigen Verhältnisse zu beschreiben. Die alte Weltordnung bröckelt und reißt, die Großmächte ringen mit- und gegeneinander, es gibt Umbrüche in verschiedensten Regionen dieser Welt und am Horizont brauen sich braune Gewitterwolken zusammen, behangen mit allerlei Kriegsmaschinerie.

Wir alle richten uns in diesem Prozess, der schnell vorangeht und teilweise unvorhersehbar abläuft, darauf ein, dass es in naher Zukunft nicht ruhiger, sondern wilder wird. Weltweit wird gekämpft, weltweit wird gekämpft werden. Auch hier in den Metropolen, im Herzen der Bestie, spitzt sich die Lage zu. Uns im antikapitalistischen, revolutionären Lager stellt sich darum die Frage, wie wir in diesem Prozess der Umbrüche unseren Platz einnehmen können – mit klarer Perspektive und eigenständiger Handlungsfähigkeit.

In dieser Zeit erhalten die Erfahrungen des bewaffneten Kampfes in Europa in den vergangenen Jahrzehnten – gerade nach dem großen Aufbruch von 1968 – eine besondere Bedeutung. Weil sie den konsequenten Bruch mit kapitalistischer und imperialistischer Barbarei in die Metropolen trugen und die Machtfrage praktisch stellten. Weil sie bewiesen, dass der Kampf unter Rückgriff auf alle Mittel nicht nur notwendig, sondern auch möglich ist. Sie rissen den Horizont weiter auf, erweiterten ihn um revolutionäre Möglichkeiten und Perspektiven. Wir tun gut daran, uns angesichts gegenwärtiger und kommender Brüche und Risse mit Blick auf unsere Geschichte zu wappnen. Erinnern heißt kämpfen, heißt die bewusste Weiterentwicklung der Erfahrungen der Vergangenheit für Gegenwart und Zukunft.

Angesichts der internationalen Lage verstärkt die Konterrevolution weltweit vorbeugend die Verfolgung der Revolutionäre. Entsprechend verbissen ist der deutsche Staat in der Verfolgung von Daniela Klette, Burkhard Garweg und Volker Staub. Weil an ihnen ein Teil unserer Geschichte – nämlich die Rote Armee Fraktion als bewaffnetes Projekt – aus herrschender Warte abgeurteilt werden soll. Auch darum ist es so bedeutsam, dass die Genoss_innen nach 30 Jahren Illegalität sich klar positionieren, Stellung beziehen und Debatten anreißen.
Wir blicken auch zu Georges Ibrahim Abdallah, dem libanesischen Fedayin, der für die palästinensische Sache kämpft, der seit mehr als 40 Jahren im französischen Knast sitzt. Seine Freilassung wird seit mehr als 10 Jahren stets aufs Neueste durch Winkelzüge der französischen, des US-amerikanischen und des israelischen Staats verhindert. Wir blicken nach Italien zu den Genoss_innen der Brigate Rosse, die ab den 1960er-Jahren den bewaffneten Kampf in die Fabriken und zum Staat trugen. Sie sitzen teilweise ebenso seit mehr als vier Jahrzehnten unter harten Haftbedingungen der weitgehenden Isolation in italienischen Knästen.

Die Schläge, die diese revolutionären Kämpfer_innen den Herrschenden versetzten, waren hart. Sie brachten die Mär der Unerschütterlichkeit imperialistischer Herrschaft ins Wanken. Entsprechend hart sind ebenso die Gegenschläge der bürgerlichen Staaten. Auch deshalb ist die Solidarität mit den kämpfenden politischen Gefangenen bedeutsam und wichtig, weil sich über sie und mit ihnen die Brücke zu Erfahrungen und Projekten herstellen lässt, die noch heute die Mächtigen fürchten lassen. Bedeutsam und wichtig ist ebenso die Solidarität mit jenen Genoss_innen und Projekten, die sich heute aufmachen, um neue Geschichten des Kampfes im Niedergang der alten Weltordnung zu schreiben. Ihre Unordnung kann unsere Möglichkeit werden, die Solidarität ist darin eine unserer Waffen – nutzen wir sie.

Freiheit und Glück für die politischen Gefangenen!
Freiheit und Glück den untergetauchten Genoss_innen!
Auf einen kämpferischen 1. Mai!