Brief von Daniel Gierth

Berlin, den 27.08.2025

Hallo…,

wie versprochen schreibe ich dir einen Brief.
Ich hoffe, dass es dir soweit gut geht, mir geht es den Umständen entsprechend gut.
Hier im Haus 6 ist es echt eine Katastrophe. So viele Drogenabhängige, alle auf Spice und nichts wird dagegen gemacht. Ist halt das Drogenhaus hier in Tegel.
Mein Sozialarbeiter arbeitet hier seit einem Jahr. Davor war er Kindergärtner und dann gleich als Sozialarbeiter in einer JVA. Er hat von nichts eine Ahnung, das ist echt Hammer sowas.
Er hat mir gesagt, ich muss hier im Haus 6 noch mal von ganz vorn anfangen. Anderes Haus, andere Regeln.
Wie geht das!? Ich bin immer noch in der gleichen Anstalt. Jedes Haus hat seine eigenen Gesetze, wozu gibt es das „Strafvollzugsgesetz Berlin“, woran sich eh niemand hält? Echt traurig und das als Hauptstadt.
Der Justizsenatorin ist es wohl egal, was mit uns ist, sie hat ja was Besseres zu tun und wenn sie mal hier ist, dann wird von der Anstaltsleitung und den Teilanstaltsleitern alles schön geredet und es wird gelogen ohne Ende.
Die Justizsenatorin sollte auch mal Inhaftierte anhören.
Leider kommt es nie dazu.
Die JVA Tegel gilt als schlimmste Haftanstalt und es ist weiterhin ein Verwahrvollzug, das ist die Wahrheit.
Resozialisierung gibt es nicht, Gesetze werden nicht beachtet und Rechte haben wir auch nicht.
Wenn sich Insassen an die Senatsverwaltung für Justiz wenden und die Anstalt wird gefragt, was los ist, dann kommt gleich die Teilanstaltsleitung auf den Insassen zu und man wird erpresst (ziehen Sie die Beschwerde zurück, es wirkt sich negativ auf Sie aus) oder man wird in ein anderes Haus oder Anstalt verlegt mit der Lüge: wegen Platzmangels.
Wovor hat die Anstalt Angst, wenn doch alles so super funktioniert!?
Ihre eigenen Lügen werden aufgedeckt, davor haben sie Angst.
Warum denn nur? Anstatt etwas daran zu ändern, nein, sind sie stolz darauf, Insassen zu erpressen und zu nötigen.
Aber es gibt auch Insassen, die beugen sich nicht. Dazu gehöre auch ich.
Wir leben im 21. Jahrhundert und Haftanstalten helfen nicht, außer Steuergelder zum Fenster ‚rauszuwerfen.
Pro Insasse kostet es dem Steuerzahler 3.250 Euro pro Monat.
Anstatt diese Gelder sinnvoll auszugeben, wie in Resozialisierung außerhalb der Haft.
Oder auch wieder Jugendclubs aufzubauen.
Aber die Armen werden immer ärmer und die Reichen immer reicher.
Wie viele Insassen sind in Haft, weil sie Lebensmittel gestohlen haben sollen oder Geldstrafen nicht bezahlen können!?
Und warum? Weil man sich nichts mehr leisten kann.
Es wird jährlich so viel Geld für Schwachsinn ausgegeben, aber die Bundesregierung schafft es nicht, realistisch darüber nachzudenken, was sie überhaupt anrichten.
Wir Inhaftierten haben auch keine richtige Zukunft.
Blauer Sack am Tag der Entlassung, das ist für viele das Schlimmste.
Keine Wohnung, einfach nichts.
Sozialarbeiter schieben alles von sich. Warum einem Insassen helfen?
Wir Insassen haben meist keine Perspektive weder nach der Haft noch in der Haft, denn Hilfe hat man nicht zu erwarten.
Die Gesetzbücher, die es gibt, sagen eindeutig was anders…
Nur, warum ist die Hauptstadt am Allerschlechtesten bei vorzeitigen Entlassungen, Resozialisierung und Offenem Vollzug!?
Berlin hat die meisten Strafvollzüge und was in denen? Nichts.
Einfach nur wegsperren.
Guten Morgen Berlin!
Verwahrvollzug, der doch eigentlich abgeschafft wurde, aber das nur auf dem Papier, die Realität ist eine andere.
So, mein lieber …, das waren für heute ein paar Zeilen von mir. Wünsche dir einen sonnigen und ruhigen Tag!
Pass‘ auf dich auf.
Tschau sagt Daniel!
Schöne Grüße an alle Inhaftierten! Niemand soll sich beugen, gemeinsam sind wir stärker!

Daniel Gierth
Seidelstr. 39
13507 Berlin