Hallo ihr da draußen,
mir fällt es nicht ganz leicht, die richtigen Worte zu finden. Aber ich würde euch gerne wissen lassen, dass es richtig stark ist, was ihr da draußen alles bewegt und gerissen habt und das sehr vieles davon bei uns hier hinter den Mauern ankommt. Und das es für uns Gefangene einen riesigen Unterschied macht, nicht nur allgemein zu wissen, sondern auch immer wieder konkret daran erinnert zu werden, dass wir nicht alleine sind.
Das Ausmaß der Solidarität, die ihr jeden Tag organisiert und ganz praktisch lebt, ist sehr beeindruckend. Die unzähligen Demos, die öffentlichen Positionierungen all der Gruppen und Personen, die finanzielle und logistische Unterstützung die wir erhalten, und nicht zuletzt die Raketen, die immer wieder den Nachthimmel über den Gefängnissen erhellen, erleichtern es, die Gefangenschaft erhobenen Hauptes und immer wieder auch mit einem Lächeln durchzustehen. Sie zeigen uns, dass wir die besten Freunde haben, die man sich nur wünschen kann. Aber sie zeigen auch, dass sehr viele Menschen, die wir gar nicht kennen, sich mit der uns vorgeworfenen Haltung identifizieren und diese verteidigen. Das vermittelt Zuversicht. Auch, weil das heutzutage leider alles andere als selbstverständlich ist. Wahrscheinlich wird das hier alles noch ein bisschen dauern und vielen von uns einen langen Atem abverlangen. Deswegen passt auch gut auf euch und einander auf. Aber daran, dass wir das alle gemeinsam schaffen, hab ich überhaupt keinen Zweifel.
Komme was wolle.
euer Paul
Anmerkung:
Der Antifaschist Paul ist einer 129-Gefangenen aus dem „Budapest-Verfahren“
