Text von Dr. Sİnan Aydın

Beiträge von Gefangenen aus dem Münchner ATIK-Prozess

Dr. Sinan Aydın, 30. September 2017

Aufgrund der Verspätung kann ich mich nicht sehr ausführlich zu dem von euch erfragten Thema äußern. Wenn es die Herrschenden nicht schaffen, die gefangengenommenen progressiv-revolutionären Patrioten sowie Kommunisten zur Kapitulation zu bewegen und wenn die an ihnen praktizierten unmenschlichen Maßnahmen nicht dazu führen, sie auf die Knie zu zwingen, dann halten sie sich nicht davor zurück, sie brutal umzubringen. Anschließend verbreiten sie die Lüge, dass sich diese wertvollen Menschen „selbst ihr Leben genommen“ hätten und versuchen, ihre eigenen Massaker zu vertuschen.
Diese hinterhältige Methode wurde auch in den Kerkern der Türkei am 18. Mai 1973 gegen İbrahim Kaypakkaya angewandt. Die Herrschenden, die nicht hinnehmen konnten, dass der kommunistische Führer trotz 90-tägiger Folter keine Geheimnisse preisgab, glaubten, dass sie durch seine Ermordung etwas erreichen könnten. Hinterher haben sie die Lüge verbreitet, dass er Selbstmord begangen hätte. Dieselbe Methode haben die deutschen Herrschenden vier Jahre später gegen die RAF-Gefangenen angewendet. Es spielt keine Rolle, was die offizielle Geschichtsversion sagt; so wie sich eine Lanze nicht in einen Sack stecken lässt (türk. Redewendung; A.d.Ü.), so passt die Wahrheit nicht in ihre dreckigen Seiten hinein.
Egal wo auf dieser Welt; mögen die Herrschenden die Revolutionäre anschwärzen, wie es ihnen passt. Sowenig, wie sich die Sonne mit Lehm verputzen lässt (türk. Redewendung; A.d.Ü.), sowenig konnten und können sie die Wahrheit mit ihren Lügen schwärzen.

Liebe Genossen, ich wünsche euch in eurem Kampf viel Erfolg und umarme euch und alle Menschen, deren Herz auf der Seite der Menschlichkeit schlägt, fest und genossenschaftlich.

Verbleibt in Hoffnung
Revolutionäre Grüße